Ausgabe Juli 2013

Syrischer Riss: Schiiten versus Sunniten

Frieden ist ein Wort, das im Nahen Osten noch immer inflationär gebraucht wird, das aber zugleich keinerlei Relation zur Wirklichkeit hat. Seit Jahren wird der „Friedensprozess“ zwischen Israel und den Palästinensern beschworen, doch fast jedermann weiß, dass es einen solchen nicht gibt. Seit über zwei Jahren wird die fragile Lage obendrein vom syrischen Bürgerkrieg erschüttert. Dieser hat bislang über 93 000 Menschen das Leben gekostet, fast eine Million Syrer befinden sich auf der Flucht. Mehr als je zuvor droht der Krieg zudem den alten Streit zwischen Sunniten und Schiiten wieder heraufzubeschwören und damit einen regionalen Stellvertreterkrieg autoritärer Anrainerstaaten auszulösen.

Dabei könnte der Syrienkrieg auch den bisherigen Kernkonflikt der Region, den palästinensisch-israelischen Kampf um Palästina, weiter anheizen. Die Anzeichen für eine solche Entwicklung häufen sich. So hat Österreich Anfang Juni seine UN-Soldaten von den Golanhöhen abgezogen, wo sie den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien überwachen sollen. Die Regierung in Wien sah die Sicherheit der Soldaten nicht länger gewährleistet.

Frieden mit Assad?

Die Zeit drängt also, und nun soll eine Friedenskonferenz in Genf alle syrischen Probleme lösen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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