Ausgabe Juli 2014

Lückenbüßer EZB

Als die Europäische Zentralbank am 5. Juni erneut ihren Leitzins senkte, und zwar von 0,25 auf minimalistische 0,15 Prozent, da war dies Ausdruck von zweierlei – von Mut, aber auch Verzweiflung. So richtig und notwendig diese Zinssenkung ist, um die unternehmerische Nachfrage zu beleben: Man sollte sich keine Illusionen machen, dass die Banken bereits diesen geldpolitischen Impuls durch verbilligte Kredite direkt an die Unternehmenswirtschaft weitergeben werden. Im Gegenteil: Da die Zinssenkung schon erwartet wurde, war sie von den Finanzmärkten bereits eingepreist worden. Hier handelt es sich also primär um Symbolpolitik, mit der die EZB ihren anhaltenden Willen zur Politik des billigen Geldes bekräftigt.

Als historisch kann hingegen eine andere Maßnahme bezeichnet werden, die Draghi ebenfalls verkündete: Künftig müssen die Banken für sehr kurzfristige Einlagen bei der Euro-Notenbank einen Strafzins von 0,1 Prozent bezahlen. Die Konsequenz: Geld, das über Nacht auf dem Konto bei der Notenbank landet, ist bei der Auszahlung am nächsten Morgen weniger wert. Künftig wird das Horten von Geld bei der Zentralbank durch die Geschäftsbanken also bestraft.

Diese Maßnahme ist ein beispielloses Novum. Erstmals in der Geschichte der Geldpolitik schreibt die Bank der Banken damit einen Minuszinssatz vor.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema