Ausgabe November 2014

Mazedonien oder die Legende vom sicheren Herkunftsstaat

Am 19. September verabschiedete der Bundesrat mit knapper Mehrheit eine umstrittene Ergänzung des geltenden Asylrechts: Der von den Grünen bislang harsch kritisierten Kategorie der sogenannten sicheren Herkunftsstaaten wurden die drei jugoslawischen Folgestaaten Mazedonien, Serbien und Bosnien-Herzegowina hinzugefügt. Seit dem „Asylkompromiss“ von 1993 werden Asylanträge aus den so klassifizierten Ländern im Schnellverfahren bearbeitet. Sie haben damit prinzipiell kaum Chancen auf Erfolg.

Die Bundesratsentscheidung ist beispielhaft für die deutsche und europäische Asyl- und Migrationspolitik. Mit dem minimierten Asylrecht als Maßstab erfüllt die Kategorie der sicheren Herkunftsstaaten durchaus eine übergeordnete Logik, nämlich die Kosten für Bund, Länder und Kommunen zu reduzieren, indem die Verfahren stark verkürzt werden. Dies ist eine einfache, aber sicherlich nicht nachhaltige und erst recht nicht verantwortungsvolle Antwort auf die steigende Zahl von Asylanträgen aus diesen Ländern. Denn: Ein falscher Maßstab bringt kein richtiges Ergebnis. Die bunte Gruppe der sicheren Herkunftsstaaten zeigt bereits deutlich den Zweck der Einordnung.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.