Ausgabe Oktober 2017

Auf dem Weg zum Wirtschaftsimperium: Chinas neue Seidenstraße

Vor zwanzig Jahren entwarf der einflussreiche US-amerikanische Politikwissenschaftler Zbigniew Brzeziński die Vision einer „Transeurasischen Sicherheitsarchitektur“ entlang einer neuen Seidenstraße aus Pipeline- und Handelsrouten, Wirtschaftsniederlassungen, Militärbasen und prowestlich regierten Ländern. Sie sollte weite Teile Asiens mit einer ausgedehnten Europäischen Union und einer expandierenden Nato verbinden – unter Ausschluss Russlands. Auch China könnte, so die Vorstellung Brzezińskis, irgendwann einmal in diese Struktur integriert werden.[1] Es blieb bekanntermaßen bei der Vision. Ausgerechnet die Wirtschaftsmacht China verwirklicht diese Idee nun und rollt Eurasien von der anderen Seite, von Osten her, auf. Im September 2013 präsentierte Staats- und Parteichef Xi Jinping offiziell die chinesische „Belt and Road Initiative“, besser bekannt als die „Neuen Seidenstraßen“.[2] Seither gilt sie als sein innen- und außenpolitisches Prestigeprojekt. Mit ihr will die Regierung an Chinas einstige globale Bedeutung anknüpfen und entwirft einen Bauplan zukünftiger Größe.

Die bislang vorliegenden, noch recht groben Skizzen der chinesischen Planer[3] zeichnen in kühnen Strichen mehrere Routen bzw.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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