Ausgabe November 2018

Sie wussten, was sie tun

Eines Tages im Jahr 1961 stolperte ein amerikanischer Ökonom namens Daniel Ellsberg über ein Papier mit apokalyptischen Implikationen. Ellsberg, der die US-Regierung bezüglich ihrer geheimen Atomkriegspläne beriet, hatte ein Dokument entdeckt, dass eine offizielle Schätzung der Zahl der Todesopfer eines präventiven „Erstschlags“ gegen China und die Sowjetunion enthielt: rund 300 Millionen in jenen Ländern, und weltweit doppelt so viele.

Ellsberg war beunruhigt über das Vorliegen eines derartigen Plans; Jahre später versuchte er, die Details der nuklearen Vernichtung heimlich an die Öffentlichkeit zu bringen. Obwohl diese Versuche scheiterten, erlangte Ellsberg später Berühmtheit für seine heimliche Weitergabe von Unterlagen, die dann als die „Pentagon-Papiere“ bekannt wurden: die geheime Geschichte der Militärintervention der US-Regierung in Vietnam.

Amerikas amoralische militärische Planung während des Kalten Krieges findet ein Echo in der Selbstüberhebung einer weiteren Reihe von Figuren, die mit dem Schicksal der Menschheit spielen. In letzter Zeit kamen Geheimunterlagen ans Licht, aus denen detailliert hervorgeht, was die Energiebranche über die Verknüpfungen zwischen ihren Produkten und der globalen Erwärmung wusste.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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