Ausgabe Juni 2020

Ostasien: Avantgarde im Coronakampf?

Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in nimmt am 25. Februar 2020 an einem Sondertreffen in Daegu, Südkorea, teil.

Bild: imago images / Xinhua

Anders als in Europa haben die meisten Staaten Ostasiens die Coronakrise erstaunlich schnell in den Griff bekommen – trotz der engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem stark getroffenen Nachbarland China. Vor allem Südkorea, Taiwan und Vietnam gelten mitunter als Avantgarde im Coronakampf: Die Länder verzeichnen insgesamt nur äußerst wenige Todesopfer sowie eine geringe Zahl an Neuansteckungen. Das hat auch damit zu tun, dass sie auf Erfahrungen aus früheren Epidemien mit verwandten Coronaviren zurückgreifen können: Anfang des Jahrtausends kämpften Taiwan und Vietnam gegen die Sars-Epidemie, Südkorea litt 2015 unter einer Mers-Epidemie. Die Regierungen dieser Länder wussten daher, wie wichtig es ist, die Ausbreitung des Virus möglichst früh zu bekämpfen, und auch mit welchen Mitteln, nämlich mit massenhaften Tests und einer strikten Quarantäne der Infizierten.

Aufgrund seiner lange stark rückläufigen Infektionszahlen wagte es Südkorea sogar, seine Parlamentswahl wie geplant am 15. April abzuhalten – womit das Land zweifellos ein hohes Risiko einging. Doch für die Regierung zahlte sich der Wagemut aus: Präsident Moon Jae-in und seine linksgerichtete Demokratische Partei eroberten die absolute Mehrheit der Stimmen und erzielten damit den größten Wahlsieg seit der Demokratisierung des Landes Ende der 1980er Jahre.[1]

Dabei schien der Sieg noch am Jahresende – vor der Coronakrise – nicht ausgemacht.

Juni 2020

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