Ausgabe Juni 2020

Corona: Feuerprobe für den Klimaschutz

Trotz Pandemie streikt Fridays for Future weiterhin, wenn auch nur digital. Schon in der Schockstarre des Lockdowns im März und April mehrten sich in der Bewegung die Stimmen, die von Corona als einer „Krise in der Krise“ sprachen. Tatsächlich haben Corona- und Klimakrise vieles gemeinsam: Je besser die Vorsorge und Resilienz einer Gesellschaft, umso wirksamer können negative Folgen eingedämmt werden. Bei Corona heißt das: Je weniger Menschen sich anstecken und je besser das Gesundheitssystem ausgestattet ist, desto milder verläuft die Pandemie. Beim Klimawandel ist es ähnlich: Je weniger CO2 in die Atmosphäre gelangt und je effektiver sich Städte und Gemeinden gegen Klimaveränderungen rüsten, desto erträglicher fallen die Folgeeffekte aus, etwa der Temperaturanstieg oder das Auftreten von Wetterextremen und sozialen Konflikten.

Diese Erkenntnis allein garantiert aber noch keine konsequente Antwort auf beide Krisen. So ist es alles andere als ausgemacht, ob nicht Populisten und Energiewendegegner den Klimaschutz mit dem Corona-Alibi erledigen oder ob umgekehrt Politiker und Investoren die „Billionen-Dollar-Chance“ für einen grünen Neustart wahr-
nehmen.

Gründe für einen solchen Neubeginn bietet die Pandemie reichlich: Da in Politik und Wirtschaft das langfristige Denken oft zu kurz gekommen ist, zeigt sich in der heutigen Krise ein Mangel an Resilienz. Denn diese Widerstandsfähigkeit entsteht nicht von einem Tag zum nächsten.

Juni 2020

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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