Ausgabe November 2020

Freihandel unter Feuer: EU-Mercosur vor dem Aus?

Brasilien, Waldbrände bei Labrea im südlichen Amazonas-Gebiet LABREA, AM - 11.08.2020

Bild: imago images / Fotoarena

Anfang Oktober war die Freude bei Klima- und Umweltorganisationen in der EU groß: Das Europaparlament hatte sich erstmals mehrheitlich gegen die Ratifizierung des EU-Mercosur-Abkommens ausgesprochen. Der Abstimmung ging eine intensive Auseinandersetzung über die ökologischen Folgen der geplanten Freihandelszone voraus, buchstäblich befeuert von den Bränden im Amazonas und der verheerenden Politik des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro. Schon vor der Abstimmung in Brüssel hatten sich einige Parlamente und Minister*innen in den EU-Mitgliedstaaten der Kritik an den unverbindlichen Umweltstandards des Abkommens mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay angeschlossen. Frankreich, Österreich und Irland kündigten gar ein Veto im Europäischen Rat an.

Unklar bleibt hingegen die Position der Bundesregierung – und damit der aktuellen Ratspräsidentschaft. Einerseits äußerte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem Treffen mit Fridays-for-Future-Aktivistinnen im August Zweifel an der Ratifizierung des Abkommens und versetzte damit die deutsche Exportwirtschaft in große Aufregung.[1] Andererseits scheint das Bundeswirtschaftsministerium die Aufteilung des Abkommens in verschiedene Teile zu erwägen, um so seine Ratifizierung im Rat zu retten.[2] Ob es diese Strategie nach dem Parlamentsbeschluss weiterverfolgt, ist noch offen.

November 2020

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema