Ausgabe Mai 2021

Schottland und Wales: Unabhängig nach dem Brexit?

Kundgebung zur schottischen Unabhängigkeit in Glasgow, 17. September 2020 (IMAGO / Hans Lucas)

Bild: Kundgebung zur schottischen Unabhängigkeit in Glasgow, 17. September 2020 (IMAGO / Hans Lucas)

Es steht viel auf dem Spiel, wenn am 6. Mai die Wähler*innen in Schottland und Wales über die politische Zusammensetzung ihrer Regionalparlamente entscheiden. Ein starkes Ergebnis für die seit 14 Jahren regierende Schottische Nationalpartei (SNP) unter First Minister Nicola Sturgeon könnte zu einem zweiten Unabhängigkeitsreferendum nach jenem von 2014 führen. Nicht nur für alle schottischen Parteien sind daher die Einsätze hoch – sondern auch für den britischen Premierminister Boris Johnson. Selbst in Wales, wo die politische Stimmungslage schon immer um mehrere Grade ruhiger war als in Schottland, haben sich im Schatten des Brexits sowie schlagzeilenträchtiger politischer Auseinandersetzungen in Schottland und Nordirland die Dinge erheblich bewegt. Heute ist die politische Szene auch in Wales spürbar in Bewegung geraten.

Auf der Insel blicken also viele gebannt dem Wahltag entgegen. Denn insbesondere in Schottland ist der Ausgang aufgrund heftiger politischer Turbulenzen plötzlich ziemlich unberechenbar geworden. Noch Mitte Februar schien das Ergebnis eine ausgemachte Sache zu sein: In allen Umfragen steuerte die SNP seit Monaten auf eine absolute Mehrheit zu und auch für die Unabhängigkeit des Landes ergaben sich erstmals langfristige, stabile Mehrheiten. Selbst ehemals skeptische Promis wie der Schauspieler Ewan McGregor kündigten nun ihre Unterstützung für die Auflösung des Vereinigten Königreichs an.

Mai 2021

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.

»10-Millionen-Schweiz«: Mauern gegen die Polykrise

von Cédric Wermuth

Am 14. Juni stimmt die Schweiz per Referendum über eine Initiative ab, die europaweit Schule machen könnte. Unter dem Titel »Keine 10-Millionen-Schweiz« verlangt die rechtsnationalistische Schweizerische Volkspartei die Einführung eines Bevölkerungsdeckels in der Verfassung.