Ausgabe März 2022

Mit allen Mitteln zur absoluten Macht

Correctiv

Bild: Correctiv

Das journalistische Recherchezentrum Correctiv in Essen, bekannt unter anderem durch die Aufdeckung der AfD-Spendenaffäre und die Recherchen zum CumEx-Steuerskandal, nutzt seit einigen Jahren immer wieder auch Comics, um die Ergebnisse seiner Arbeit zu verbreiten. Nach Comic-Reportagen beispielsweise zur rechtsextremen Szene in Dortmund („Weiße Wölfe“) und zur Fernsteuerung von Gräueltaten in Afrika aus Deutschland („Made in Germany: Ein Massaker im Kongo“) ist nun eine Comic-Biographie über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan erschienen, verfasst und gezeichnet von zwei Exilanten. Autor ist der in der Türkei verfolgte Journalist Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der Tageszeitung „Cumhuriyet“, der heute in Berlin lebt und unter anderem für „Die Zeit“ schreibt. Die Zeichnungen stammen vom ägyptisch-sudanesischen Künstler Mohamed Anwar, der nach dem Scheitern des Arabischen Frühlings ebenfalls in Berlin Zuflucht gefunden hat und den Dündar durch die Vermittlung von Correctiv kennenlernte. Die Vorstellung des Buches bei der Frankfurter Buchmesse 2021 musste denn auch unter Polizeischutz erfolgen.

Warum ein Comic über Erdoğan? Darauf hat Dündar in einem Interview verschmitzt geantwortet: Weil dieser Cartoons so überhaupt nicht mag, vor allem keine, die ihn aufs Korn nehmen. Letzteres geschieht hier allerdings nicht, vielleicht zur Enttäuschung mancher Kritiker des türkischen Präsidenten.

März 2022

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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