Ausgabe Februar 2023

Die Gratwanderung der Letzten Generation

Ein Aktivist der Letzten Generation wird von der Polizei von der Straße getragen, Aalen, 19.1.2023 (IMAGO / onw-images / Marius Bulling)

Bild: Ein Aktivist der Letzten Generation wird von der Polizei von der Straße getragen, Aalen, 19.1.2023 (IMAGO / onw-images / Marius Bulling)

Die von der Letzten Generation ausgelösten Wellen schlagen hoch. „Wegsperren“ rufen die einen, „Bravo und weiter so“ die anderen. Mediale Aufmerksamkeit ist garantiert. Aber das ist nur die halbe Miete. Letztlich geht es um einschneidende klimapolitische Maßnahmen. Diese kommen jedoch nur in Gang, wenn sie nicht auf überwältigende Ablehnung in der Bevölkerung stoßen. Damit steht die Letzte Generation vor einer Entscheidung. Soll sie einfach weitermachen in der Hoffnung, ihre stetigen Nadelstiche würden am Ende eine klimapolitische Wende erzwingen? Oder stumpft die Wiederholung des Immergleichen das Publikum ab, sodass man bis auf weiteres von dieser Protestform absieht, wie soeben von den britischen Vorreitern von Extinction Rebellion beschlossen, oder zu dem fatalen Schluss kommt, dass Erhalt oder Steigerung der Aufmerksamkeit nur durch eine weitere Radikalisierung des Protests erreicht werden können?

Nach – allerdings wissenschaftlich nicht belegter – Lesart der Letzten Generation bleiben der Menschheit nur noch zwei oder drei Jahre bis zum Erreichen eines irreversiblen klimatischen Kipppunkts. Daher rührt der Wille zur Radikalisierung des Protests.

»Blätter«-Ausgabe 2/2023

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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