Derzeit stehen in München vier Mitglieder der „Old School Society“ vor Gericht. Sie planten laut Anklage, Sprengstoff mit Nägeln und Spiritus zu versetzen und damit Anschläge auf Moscheen und Flüchtlingsunterkünfte zu verüben. Dazu kam es glücklicherweise nicht, Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt griffen in diesem Fall rechtzeitig zu. Im sächsischen Freital jedoch konnte offenbar das zuständige Landeskriminalamt lange Zeit nicht erkennen, dass hinter zahlreichen Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte und alternative Wohnprojekte eine organisierte Gruppe steckte. Erst nachdem die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernahm, kam es zu Verhaftungen. Beide Gruppen organisierten sich vor allem via Facebook, Whatsapp und geschlossenen Chaträumen, putschten sich in ihrem Hass gegenseitig auf und versuchten, Mitstreiter zu gewinnen. Doch auch in anderen Regionen wütet längst der fremdenfeindliche Mob. Zugespitzt formuliert: Freital und München sind eher die Regel als die Ausnahme. Das zeigt exemplarisch die Lage in Brandenburg: Nach Recherchen des Aktionsbündnisses gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit wurden von Herbst 2013 bis November 2015 über 80 brandenburgische Facebook-Seiten erstellt, die gegen die Aufnahme von Flüchtlingen mobilisieren. Die Gruppen sind in den meisten Fällen mitnichten unorganisiert.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.