Ausgabe September 2016

Tsipras ohne Zukunft?

Die griechische Krise und das Dilemma von Syriza

Der Brexit stellt ganz Europa vor eine extreme Herausforderung, für Griechenland jedoch bedeutet er eine unmittelbare und existenzielle Gefahr. Darüber sind sich alle politischen Kräfte einig, die das Land in der EU und in der Eurozone halten wollen, also das ganze Parteienspektrum zwischen Syriza und der konservativen Nea Dimokratia. Besonders hart trifft das britische Ausstiegsvotum jedoch die Regierung von Alexis Tsipras. Ein Jahr nach seinem zweiten Wahlsieg im September 2015 steht der linke Premierminister mit dem Rücken zur Wand. Sparauflagen und gebrochene Versprechen lassen seine Popularität schwinden. Da kommt der Brexit zur Unzeit.

Schon im Vorfeld des britischen Referendums wusste die Regierung Tsipras, was Griechenland drohen könnte. Deshalb war sie verzweifelt darum bemüht, die Vereinbarung mit den Gläubigern über die Evaluierung des laufenden Memorandums noch vor dem 23. Juni unter Dach und Fach zu bringen. Das hat sie mit Müh‘ und Not geschafft: Nur zwei Tage vor dem Referendum sind in Athen jene 7,5 Mrd. Euro eingetroffen, die der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) als erste „Prämie“ für die Umsetzung des Sparprogramms überwiesen hat.

Der Tenor der Athener Presse lautete: Gott sei Dank haben wir die Gelder vor dem Brexit bekommen.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema