Ausgabe Januar 1990

Kein Fall für Zwei

Bush und Gorbatschow auf Malta

"Dies war der erste Gipfel nach dem Kalten Krieg", versicherte George Bush. Und Michail Gorbatschow pflichtet spontan bei: "Wir haben die Epoche des Kalten Krieges verlassen." Die Zukunft wird zeigen, ob die Hoffnung trägt. Der Schlüssel zu einem guten Ende liegt, wieder einmal, in den deutschen Republiken. Kalter Krieg und Konfrontation in Europa können zu Grabe getragen werden, wenn sich Washington und Moskau auf eine gemeinsame Deutschlandpolitik einigen. Dies ist, wie ein Blick in die Geschichte zeigt, einfacher gesagt als getan. 1945 stimmten die Sieger des Zweiten Weltkrieges im Grundsatz überein und verfolgten alle ein Ziel: Deutschland künftig zu kontrollieren. Deutschem Wort allein wollte keiner mehr glauben; auf Verträge bloß wollte sich keiner verlassen. Beides war den deutschen Eliten nichts wert gewesen, sobald sie eine Chance witterten, zur Nummer Eins aufzusteigen. Dauerhafte Kontrolle schien das einzig vernünftige Gegengift zu sein.

So weit, so gut. Wie aber sollte man zu diesem Ziel gelangen? Auf welchem Weg, mit welchen Mitteln? Darüber schieden sich schon frühzeitig die Geister. Der Streit wurde von Jahr zu Jahr heftiger, eskalierte schließlich zum Kalten Krieg. Die Hoffnungen auf einen stabilen Frieden zerbarsten, weil die USA nicht nur den alten Feind im Auge hatten. Sie wollten auch die UdSSR, den potentiellen Rivalen auf internationalem Parkett, zähmen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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