Ausgabe Februar 1991

Das Ende vom Anfang einer besseren Welt?

I

Am 7. Dezember 1988 sprach Michail Gorbatschow das erste Mal vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen: "Das Leben zwingt uns, gewohnte Stereotype, veraltete Anschauungen abzuwerfen und sich von Illusionen zu befreien. Selbst die Vorstellungen über den Charakter und die Kriterien des Fortschritts ändern sich. Es wäre naiv zu glauben, daß die Probleme, die die Menschheit heute quälen, mit Mitteln und Methoden gelöst werden können, die früher angewendet oder als tauglich betrachtet wurden. Ja, die Menschheit hat einen Schatz an Erfahrungen in der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung unter unterschiedlichsten Bedingungen gesammelt.

Doch diese Erfahrungen stammen aus Praxis und Antlitz einer Welt, die bereits Vergangenheit ist oder wird." 1) Die beiden folgenden Jahre 1989/90 haben die Welt gründlich umgekrempelt. Die Konfrontation der "Systeme" ging mit dem demokratischen Aufbruch in Osteuropa zu Ende. Eine Konfliktkonstellation verschwand, die Denken und Handeln von mehreren hundert Millionen Menschen über mehr als vierzig Jahre hinweg geprägt und belastet hatte. Europa traf Abrüstungsvereinbarungen, verständigte sich in der Pariser Charta auf innergesellschaftliche und zwischenstaatliche Umgangsformen.

Februar 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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