Ausgabe März 1991

Die neuen Welt-Ordner, ganz die alten

Jede Debatte über den Krieg am Golf führt zwangsläufig in die Irre, wenn sie nicht das eigentliche Ungeheuerliche, das Kernproblem als solches behandelt: K r i e g ist als Mittel der Politik r e h a b i l i t i e r t, und zwar ausdrücklich: im Namen der Vereinten Nationen und aller Großmächte dieser Welt. Und dieser schreckliche Rückfall in der zivilisatorischen Entwicklung der Menschheit, in ihrer Entwicklung zur Friedensfähigkeit, erfolgte eben nicht am 2. August 1990, nicht durch den allerdings unverzeihlichen - Überfall des Iraks auf Kuwait. Er ist vielmehr eindeutig von denen zu verantworten, die seit dem 16./17. Januar 1991 Husseins Völkerrechtsbruch mit Krieg beantworten und sich dadurch auf das Konflikt- und FriedensfähigkeitsNiveau des irakischen Diktators begeben haben.

Der Krieg löst nichts und verschlimmert alles. Auch wenn an seinem Ende Saddam Hussein als Politiker und der Irak als regional starke Militärmacht ausgeschaltet sein werden, bleiben alle Probleme der Region, vermehrt um neue - wie die Kriegszerstörungen, Elend und Haß, die Kriegs- und Wiederaufbaukosten und die Ambitionen der siegreichen Rivalen Husseins bzw. des Irak. Das schlimmste Resultat ist allerdings, daß dieser Krieg im Namen der UNO die begründeten Hoffnungen auf eine internationale Friedensordnung nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation und des nuklearen Patts vergiftet.

März 1991

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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