Ausgabe März 1991

Die neuen Welt-Ordner, ganz die alten

Jede Debatte über den Krieg am Golf führt zwangsläufig in die Irre, wenn sie nicht das eigentliche Ungeheuerliche, das Kernproblem als solches behandelt: K r i e g ist als Mittel der Politik r e h a b i l i t i e r t, und zwar ausdrücklich: im Namen der Vereinten Nationen und aller Großmächte dieser Welt. Und dieser schreckliche Rückfall in der zivilisatorischen Entwicklung der Menschheit, in ihrer Entwicklung zur Friedensfähigkeit, erfolgte eben nicht am 2. August 1990, nicht durch den allerdings unverzeihlichen - Überfall des Iraks auf Kuwait. Er ist vielmehr eindeutig von denen zu verantworten, die seit dem 16./17. Januar 1991 Husseins Völkerrechtsbruch mit Krieg beantworten und sich dadurch auf das Konflikt- und FriedensfähigkeitsNiveau des irakischen Diktators begeben haben.

Der Krieg löst nichts und verschlimmert alles. Auch wenn an seinem Ende Saddam Hussein als Politiker und der Irak als regional starke Militärmacht ausgeschaltet sein werden, bleiben alle Probleme der Region, vermehrt um neue - wie die Kriegszerstörungen, Elend und Haß, die Kriegs- und Wiederaufbaukosten und die Ambitionen der siegreichen Rivalen Husseins bzw. des Irak. Das schlimmste Resultat ist allerdings, daß dieser Krieg im Namen der UNO die begründeten Hoffnungen auf eine internationale Friedensordnung nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation und des nuklearen Patts vergiftet.

März 1991

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