Ausgabe Dezember 1992

Der Durchbruch der Lega

Italien zwischen Regionalisierung und Zerfall

 Am 13. Dezember wird in 62 Kommunen Italiens gewählt. Wenn am nächsten Tag die Stimmen im Norden ausgezählt sind, wird die Lega (nord-centro-sud) ihren vierten großen Wahlsieg in diesem Jahr eingefahren haben und zur stärksten Partei in den norditalienischen Kommunen geworden sein. Ihren ersten Sieg verzeichnete die Lega Anfang dieses Jahres in Brescia, einer der wohlhabendsten Städte Europas, wo sie die Christdemokraten der DC in einer ihrer Hochburgen auf den zweiten Platz verwies. Bei den Parlamentswahlen vom 5./6. April stieg die Lega zur viertstärksten Partei nach DC, PDS (Partei der demokratischen Linken) und PSI (sozialistische Partei) auf und zog aus dem Stand mit 8,7% bzw. 55 Abgeordneten in die erste Kammer und mit 25 Senatoren in die zweite Kammer ein. Ende September dann erzielte sie ihren nächsten Erdrutschsieg (rd. 40% der Stimmen) in Mantua und brachte damit auch dort - wie in vielen anderen Kommunen der Lombardei das Schema der traditionellen Regierungs- und Oppositionsparteien zum Einsturz. Nur alle politischen Kräfte von Rechtsaußen bis Linksaußen zusammen könnten hier eine Regierung gegen die Lega bilden; andernfalls sind sie gezwungen, ein Bündnis mit dieser Bewegung einzugehen.

Dezember 1992

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema