Ausgabe November 1992

Rot-Grün oder Rechtswende?

Weichenstellungen für die neue Bundesrepublik (Blätter-Gespräch)

Nach "Blätter"-Gesprächen mit Kurt Biedenkopf (Heft 8/1992) und Peter Glotz (Heft 10/1992) über Wege aus der "Einigungskrise" veröffentichen wir nachstehend die Mitschrift eines Gesprächs, das Maria Zens und Karl D. Bredthauer Anfang Oktober mit Ludger Volmer, Sprecher des Bundesvorstands der Grünen, geführt haben. Angesichts der rapiden Verschärfung der Auseinandersetzung um den künftigen Kurs der Bundesrepublik steht die Gefahr einer Rechtsverschiebung des gesamten politischen Koordinatensystems im Zentrum dieses Gesprächs. D. Red.

"Blätter": Zwei Jahre nach dem "Beitritt" der DDR ist die Bundesrepublik politisch kaum wiederzuerkennen. Wohin treibt dieses Land: Wie können wir die Wiederlagen des demokratisch-alternativen Politikansatzes seit 1989/90 überwinden: Wie wäre die Agenda eines ökologischen Umbruchs wieder, bzw. auf neue Weise, in den Vordergrund zu rücken?

Ludger Volmer: Durch die Einigung haben sich die Rahmenbedingungen für ökologisch-soziale Politik völlig verschoben. Ökologische Umstrukturierungsprozesse in Deutschland durchzusetzen, heißt nicht mehr nur - was schon schwierig genug gewesen wäre -, einen ökologischen und sozialen Umbau in Westdeutschland anzustreben. Dies muß jetzt gleichzeitig verknüpft werden mit einem AufbauProzeß in Ostdeutschland.

November 1992

Sie haben etwa 2% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 98% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema