Ausgabe Februar 1993

Keine Entwarnung

Die Welle gewalttätiger Angriffe vornehmlich jugendlicher Deutscher auf Menschen ausländischer Herkunft, aber auch das demonstrative Auftreten rechtsextremer Gruppen im Zeichen nationalsozialistischer Symbolik haben bei der politischen Repräsentanz hierzulande - einigermaßen verspätet - zu Reaktionen geführt, die nicht gerade einfallsreich sind: Erstens wurden, vor allem im Wege der Verbotspolitik gegenüber militanten Kleinorganisationen, auch der Androhung, gegenüber Aktivisten die Verwirkung von Grundrechten einzuklagen, die Mittel rechtsförmiger Abschreckung eingesetzt; zweitens wurden die "Erziehungsträger" aufgefordert, rechtsextrem motivierte und gewaltbereite Jugendliche eines Besseren zu belehren und präventiv-pädagogisch solchen Einstellungen entgegenzuwirken.

Daß die erschreckte Berichterstattung über Ausländerfeindlichkeit und Neonazismus deutscher Provenienz in ausländischen Medien und verärgerte oder angsterfüllte Verhaltensweisen ausländischer Geschäftspartner der Bundesrepublik den hiesigen Politikern in dieser Sache Anstöße zum Handeln vermittelt haben, ist offensichtlich; insofern hat internationale Einbindung deutscher Politik und Wissenschaft ihre positive Funktion einmal mehr gezeigt.

Februar 1993

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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