Ausgabe Juni 1993

Rezession in Deutschland

Die konjunkturelle Situation in Westdeutschland hat sich in den letzten Monaten weiter deutlich verschlechtert. Statt Anzeichen für eine Stabilisierung aufzuweisen - was im Gefolge der Besserung in den USA erwartet worden war - hat sich die Situation noch ungünstiger entwickelt als vorausgesagt. Für Westdeutschland rechnen inzwischen viele Prognosen - so die jüngste des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Aussagen aus dem Sachverständigenrat mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um rund 2%. Das wäre der bislang stärkste jährliche Rückgang in der Geschichte der (alten) Bundesrepublik (-0,2 im Jahre 1976; -1,3 in 1975; -1,1 in 1982). Die Eckdaten der unten dargestellten Prognose von Anfang 1993 sind bereits wieder überholt.

Eckdaten der Wirtschaftsentwicklung in Deutschland (siehe PDF Datei) 

Die aktuellen Indikatoren zeigen immer noch deutlich nach unten: Die Erzeugung des produzierenden Gewerbes lag im Februar um rund 10% unter dem Vorjahresstand, die Auftragseingänge um rund 15%. Der Auslastungsgrad der industriellen Kapazitäten ist unter 80% gesunken, die Investitionspläne der Unternehmen im Westen werden scharf zusammengestrichen trotz einer in den meisten Branchen noch vergleichsweise guten Ertragslage und hoher finanzieller Rücklagen.

Juni 1993

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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