Mit der ihr eigenen Vulgarität "kommentierte" die "Bild-Zeitung" die Entscheidung der griechischen Wähler vom 10. Oktober für die Panhellenische Sozialistische Bewegung (PASOK): Sie veröffentlichte ein Nacktfoto der von der Natur oberweitig gut ausgestatteten, noch ziemlich jungen Frau des 74jährigen griechischen Ministerpräsidenten Andreas Papandreou, als wollte sie sagen: So einen alten Lüstling wählt man nicht. Nicht ganz so ordinär, aber mit gleicher Eindeutigkeit brachte auch die Mehrzahl der seriöseren deutschen Medien ihr Mißfallen über die Wahlentscheidung zum Ausdruck. "Der Demagoge kehrt zurück an die Macht" - so und ähnlich wurde der Wahlsieg der PASOK qualifiziert. Griechenland werde sich unter Führung Papandreous noch weiter von Europa entfernen, fügte, z.B. der Athener ARD-Korrespondent besorgt hinzu will sagen: in Richtung "Dritte Welt". Die für die gebildeten Stände zuständige "Süddeutsche Zeitung" machte ihrerseits, dem klassischen Ort angemessen, eine "griechische Tragödie ohne Ende" aus. Antikisierende Klischees mischen sich da mit Vorurteilen von "balkanesischen" Zuständen beim ungeliebten EG-Partner Griechenland.
Alle paar Jahrzehnte erlebt Europa einen Moment, an dem seine politischen Strukturen nicht mehr in die Zeit passen. Diese Momente haben die EU zu dem gemacht, was sie heute ist.