Ausgabe Dezember 1994

Nordirische Annäherungsversuche

Am 31. August diesen Jahres verkündete die IRA das Ende ihrer militärischen Kampagne. Diese Entwicklung zeichnete sich bereits Ende der 80er Jahre ab, als erstmals offenkundig wurde, daß die Führung der radikalen Republikaner nach einer Alternative zum bewaffneten Kampf suchte. Die (Provisional) IRA war bis Ende der 70er Jahre eine Organisation gewesen, die sich der Tradition des sogenannten "physical force nationalism" verpflichtet fühlte, der den bewaffneten Kampf zum A und O des antibritischen Widerstands erhebt. Mit dem legendären IRA-Hungerstreik von 1981, der eine politische Massenmobilisierung auslöste, geriet die Führung der republikanischen Bewegung mehr und mehr in die Hände einer jüngeren Generation von ehemaligen IRA-Aktivisten aus den Arbeiterbezirken von Belfast und Derry, die sich im Internierungslager bzw. Gefängnis politisiert hatte.

Ende des "physical force nationalism"?

Die neue, weniger traditionalistische Führung wollte neben der militärischen auch eine politische Bewegung, um eine Isolierung im "Abnutzungskrieg" zu vermeiden. Zu diesem Zweck wurde Sinn Fein, der "politische Arm" der IRA, reaktiviert. Die Partei, die bis dahin lediglich ein Mauerblümchendasein gefristet hatte, verzeichnete an der Wahlurne einige beachtliche Erfolge und entwickelte sich zu einer eigenständigen politischen Kraft.

Dezember 1994

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