Ausgabe Januar 1994

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Der Verfasser grüßt mit diesem Beitrag Pastor Dr. Dieter Frielinghaus, den Präsidenten der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde zu seinem 65. Geburtstag. W.K.

Viele in den neuen Bundesländern fühlen sich als Menschen zweiter Klasse, politisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell ausgegrenzt - so heißt es unter Hinweis auf die radikalen Eingriffe in Industrie und Landwirtschaft, Massenarbeitslosigkeit, Mietsteigerungen, umstrittene Eigentumsrechte und Schließung sozialer, wissenschaftlicher und kultureller Einrichtungen bis hin zur Neufassung des Paragr. 218. Als Demütigung und Verletzung ihres Selbstwertgefühls empfinden diese Menschen vor allem, daß sie sich unter die Anklage gestellt sehen, vierzig Jahre lang einem "Unrechtsstaat", ja, einem "verbrecherischen System" gedient zu haben, dessen bittere Folgen sie sich jetzt selbst zuzuschreiben hätten. Ich vermag als Westdeutscher nicht zu beurteilen, wieweit diese Stimmung unter den Ostdeutschen verbreitet ist.

Aber wenn ich bedenke, daß wir in den letzten Jahren Tag für Tag mit einer Flut von Enthüllungen überschwemmt wurden, in denen uns Fehler, Schandtaten und Verbrechen der Ex-DDR drastisch vor Augen geführt wurden, dann kann ich die Verbitterung der Betroffenen verstehen.

Sie haben etwa 16% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 84% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Chile: Leere Versprechen für die Indigenen?

von Malte Seiwerth

Am 1. Juni hielt der chilenische Präsident Gabriel Boric zum letzten Mal seine jährliche Rede vor den beiden Parlamentskammern des südamerikanischen Landes, eine Tradition, die seit 1833 gepflegt wird. Nach dreieinhalb Jahren im Amt wirkte seine Rede bereits wie ein Abschied.