Ausgabe Januar 1994

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Der Verfasser grüßt mit diesem Beitrag Pastor Dr. Dieter Frielinghaus, den Präsidenten der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde zu seinem 65. Geburtstag. W.K.

Viele in den neuen Bundesländern fühlen sich als Menschen zweiter Klasse, politisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell ausgegrenzt - so heißt es unter Hinweis auf die radikalen Eingriffe in Industrie und Landwirtschaft, Massenarbeitslosigkeit, Mietsteigerungen, umstrittene Eigentumsrechte und Schließung sozialer, wissenschaftlicher und kultureller Einrichtungen bis hin zur Neufassung des Paragr. 218. Als Demütigung und Verletzung ihres Selbstwertgefühls empfinden diese Menschen vor allem, daß sie sich unter die Anklage gestellt sehen, vierzig Jahre lang einem "Unrechtsstaat", ja, einem "verbrecherischen System" gedient zu haben, dessen bittere Folgen sie sich jetzt selbst zuzuschreiben hätten. Ich vermag als Westdeutscher nicht zu beurteilen, wieweit diese Stimmung unter den Ostdeutschen verbreitet ist.

Aber wenn ich bedenke, daß wir in den letzten Jahren Tag für Tag mit einer Flut von Enthüllungen überschwemmt wurden, in denen uns Fehler, Schandtaten und Verbrechen der Ex-DDR drastisch vor Augen geführt wurden, dann kann ich die Verbitterung der Betroffenen verstehen.

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