Ausgabe Dezember 1996

Ermittlungen in Sachen Waffenhandel

Der internationale Handel mit Waffen gilt als dunkles Geschäft aus moralischen Gründen, aber auch weil so wenig Informationen verfügbar sind. Schillernde Figuren superreicher Waffenhändler bestimmen immer noch das öffentliche Bild, auch wenn der weit überwiegende Teil der Rüstungswaren längst von Regierungsbeamten und Managern respektabler Firmen wie Daimler-Benz, Siemens und Blohm und Voss verkauft wird. Regierungsbeamte und große Firmen tragen zum geheimnisumwitterten Image des internationalen Waffenhandels bei, weil sie sich weigern selbst grundlegende Informationen herauszugeben. Die Bundesregierung lehnt regelmäßig Auskünfte über Waffengeschäfte ab, weil angeblich damit Firmengeheimnisse preisgegeben würden. Firmen melden Exporterfolge gerne an die einschlägige Waffenhandelsjournale - nichts ist verkaufsfördernder als der Erfolg -, verstecken aber die Rüstungsproduktion in ihren Geschäftsberichten hinter Begriffen wie Sondertechnik.

Diese Geheimhaltungspolitik widerspricht demokratischen Prinzipien. Sie verhindert eine politische Kontrolle eines Teilbereichs der Außenpolitik, der tödliche Wirkung haben kann. Öffentlichkeit und Parlament sind auf Informationsquellen angewiesen, die erhebliche Lücken aufweisen und eine umfassende Bewertung der Rüstungsexportpolitik nicht erlauben.

Dezember 1996

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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