Ausgabe März 1996

Lübeck und die Medien

Am Freitag nach der Trauerfeier stand es in den Zeitungen: Der Brand in der Lübecker Asylunterkunft sei nun endgültig auf Brandstiftung innerhalb des Hauses zurückzuführen. Eines der überlebenden Opfer des Brandanschlages sei der Täter: ein 21jährige Libanese. Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus den Labors von Bundes- und Landeskriminalamt.

Doch die zehn Toten und 35 Verletzten von Lübeck wollen uns immer noch nicht in Ruhe lassen. Vielleicht wird demnächst endlich Schluß sein, werden wir und auch die Opfer endlich wieder unseren Frieden finden - wenn die Völkerkundler des "Stern" mit ihrer ebenfalls wissenschaftlichen Prognose über den schwarzen Mann, der seine Frau in den Flammen verlor, recht haben. Der "Stern": "Nach 40 Tagen ist die Trauerzeit vorbei.

Dann wird ihm ein Witwer nach alter Bantu-Tradition ein Stück Seife geben und sagen: 'Geh dich waschen!' So soll das Unglück fortfließen von JeanClaude Makodila." Derselbe "Stern" hatte sich - zu Recht - über den NDR-Reporter mokiert, der da fragte: "Können Sie mir auf deutsch sagen, wie es Ihnen jetzt geht?" Und über die Dolmetscherin, die dafür diese Sprache fand: "Kannst du fühlen, was es bedeutet, Frau und Kind verloren?" Lübeck und die Medien.

März 1996

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