Ausgabe Februar 1997

Der Euro oder Die Wiedergewinnung politischer Spielräume

Am 7. Februar jährt sich zum fünften Mal die Unterzeichnung des Maastricht-Vertrages. Seit die Außen- und Finanzminister der EU ihre Unterschrift unter das Dokument gesetzt haben, ist die Debatte darüber nicht abgerissen. In Deutschland hält sich die Zustimmung zum wichtigsten Gegenstand des Vertrages, der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, nach wie vor in Grenzen vorsichtig ausgedrückt.

Doch die Fundamentaldebatte über das Für und Wider der EWWU wird in der Bundesrepublik immer stärker abgelöst von einer konkreten Auseinandersetzung über die Konsequenzen der Einheitswährung und vom Wunsch, detailliert zu erfahren, wie deren Einführung vonstatten geht. Ganz anders in Frankreich: Dort hat die in Brüssel ausgetragene Kontroverse über den von Theo Waigel vorgeschlagenen Stabilitätspakt erneut die Grundsatzfrage aufgeworfen, ob Europa mit der Vorbereitung auf gemeinsames Geld einen richtigen Schritt zu weiterer Integration tut oder ob es damit ein Projekt verfolgt, das zum Spaltpilz wird. Aus hiesiger Sicht erscheint die französische Diskussion oft breiter, reizvoller, tabuloser. Der Präsident der Nationalversammlung Philippe Séguin, der Sozialist und frühere Premierminister Laurent Fabius, der Demograph Emmanuel Todd und der Soziologe Pierre Bourdieu haben sich dabei - neben vielen anderen - zu Wort gemeldet.

Februar 1997

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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