Der Show-down fand nicht statt: Nach den monatelangen kontroversen Auseinandersetzungen um den künftigen Kurs der europäischen Sozialdemokraten ist auf dem Pariser Kongress der Sozialistischen Internationale Anfang November der Eklat vermieden worden. Blair, Schröder und Jospin haben ihre Reden gehalten; eine Pariser Erklärung ist verabschiedet worden, in der sich die Hauptprotagonisten mehr oder minder wiederfinden können; die Matadoren kehren in die Mühen ihres innenpolitischen Alltags zurück. Immerhin können die Franzosen zufrieden sein: Tony Blair, der noch 1997 am liebsten die als altmodisch eingestufte Sozialistische Internationale sprengen und stattdessen mit Hilfe der US-Demokraten und der Partei Romano Prodis einen lockeren Mitte-Links-Verbund bilden wollte, hat zurückgesteckt. Der Sozialistischen Internationale (die unter der Präsidentschaft des Willy-Brandt-Nachfolgers Pierre Mauroy zahlreiche neue Mitglieder aus Mittel- und Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika aufnehmen konnte und nunmehr 170 Mitgliedsparteien zählt), gelang es, ihre Position als internationaler Bund sozialdemokratischer und progressistischer Parteien zu festigen.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.