Ausgabe Februar 1999

Europas Gewerkschaften zwischen Konkurrenz und Solidarität

 Das Spannungsfeld von Konkurrenz und Solidarität markiert seit jeher den Handlungsrahmen gewerkschaftlicher Tarifpolitik. S o l i d a r i t ä t bedeutet dabei nicht allein die Durchsetzung eines "moralischen Postulates" sondern steht vielmehr für die originäre Funktionsbestimmung von Gewerkschaften, die K o n k u r r e n z der einzelnen Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt zu begrenzen und durch einen bewußten politischen Eingriff in Form kollektiver Regelungen elementare Lohn- und Arbeitsbedingungen dem Marktmechanismus zu entziehen. Historisch hat sich der moderne Nationalstaat als zentrale Ebene der Durchsetzung von gewerkschaftlicher Solidarität und der politischen Regulierung von Märkten herausgebildet. Gleichwohl war sich die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung schon recht früh darüber bewußt, daß entsprechend der im Prinzip globalen Reichweite des Marktes auch internationale Formen seiner politischen Regulierung erforderlich sind.

Die Notwendigkeit internationaler Solidarität liegt demnach in erster Linie in der Konkurrenz nationaler Lohn- und Arbeitsbedingungen begründet. Unter den Bedingungen einer weitgehend liberalisierten und deregulierten Weltwirtschaft werden nationalstaatlich fixierte Lohnund Arbeitsstandards jedoch in zunehmenden Maße dem internationalen Konkurrenzmechanismus unterworfen.

Februar 1999

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

In der Oktober-Ausgabe zeigt der Anthropologe Wade Davis, wie die Corona-Pandemie die gesellschaftlichen Widersprüche der USA offenlegt und ihren Niedergang als Weltmacht beschleunigt. Der Historiker Bernd Greiner porträtiert den einstigen US-Chefstrategen Henry Kissinger und dessen skrupellosen Willen zur Macht. Der Schriftsteller Zafer Şenocak fordert, dass die deutsche Außenpolitik endlich Verantwortung für die kolonialen Verbrechen übernimmt. Die Schriftstellerin Dina Nayeri beschreibt, wie ihre Fluchterfahrung ihre Identität bis heute zutiefst prägt. Und »Blätter«-Mitherausgeber Rudolf Hickel plädiert für soziale Gerechtigkeit bei der Begleichung der gewaltigen Corona-Schulden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema