Ausgabe September 1999

Irland - vom Armenhaus zum Keltischen Tiger

 Das zentrale Problem des "Europäischen Sozialmodells" ist die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit. In den 80er Jahren lautete die Krisendiagnose "Eurosklerose" und das Beschäftigungswunder USA galt als das große Vorbild. Politisch resultierte daraus die Forderung nach einer Politik der Befreiung des Marktes von den Zwängen der ihm auferlegten Regulierung. Nach einer genaueren Analyse des amerikanischen Modells stellte man fest, daß dieser Weg mit erheblichen sozialen Kosten verbunden ist und erklärte ihn für nicht kompatibel mit dem "Europäischen Sozialmodell". Ein neues Modell ward schnell gefunden: die Niederlande. Aber auch dort findet sich nicht das Wundermittel, beruht doch der Abbau der Erwerbslosigkeit hauptsächlich auf Arbeitsumverteilung (Teilzeitjobs) und wohlfahrtsstaatlich organisierter Reduktion der Arbeitsnachfrage (v.a. über die Invalidenversicherung). Es mehren sich die Zeichen, daß Irland in die Fußstapfen der Niederlande tritt und als ein neuerliches Modell präsentiert wird.

Erste Stimmen von Seiten der Europäischen Kommission weisen auf die außerordentliche Entwicklung in der Republik Irland hin, und in der Tat sind die jüngsten Entwicklungssprünge geradezu atemberaubend. Die Republik Irland weist seit zehn Jahren die höchsten Wachstumsraten in Europa auf.

September 1999

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