Ausgabe April 2001

Gibt es eine europäische Gesellschaft? Kann es sie geben?

Staaten schaffen einen einheitlichen Politik- und Rechtsraum, der soziale Differenzierung und Kooperation gleichermaßen gestattet. Sie sind im Unterschied zu Imperien („Reichen“) eine ausgesprochen moderne Erscheinung. Denn sie stellen eine notwendige Voraussetzung für die Entfaltung aller Modernisierungskräfte dar, insbesondere – Ernest Gellner hat darauf hingewiesen – ein höchst wirksames Regelwerk, dessen die kapitalistische Modernisierung der Ökonomie zu ihrer Freisetzung und Förderung bedarf. Nationalstaaten, verstanden als unter einheitlicher politischer Herrschaft stehende Territorien mitsamt ihren „staatsangehörigen“ Bevölkerungen, haben sich auf zwei unterschiedlichen Entwicklungspfaden herausgebildet: auf dem Wege der „unitarisierenden“ Verschmelzung kleiner Einheiten zu einer größeren durch nationale Einigung oder als Abspaltung peripherer Reichsteile (auch Kolonien) in einem Prozeß nationaler Befreiung und Unabhängigkeit. Einheit und Freiheit sind die beiden Werte, die nicht nur bereits existierende Staaten ihren Bürgern verbürgen; es handelt sich zugleich um die Triebkräfte und Leitwerte auf den beiden entgegengesetzten Wegen zur Eigenstaatlichkeit.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

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