Ausgabe September 2002

9/11: Haben wir irgendetwas gelernt?

Wenn ich frage, ob wir in irgendeiner Hinsicht klüger geworden sind, so meine ich jene Art Klugheit, ohne die es keine erfolgreiche Politik gibt: Ein Erbe unter veränderten geschichtlichen Bedingungen zu bewahren, indem man es anpasst. Das Erbe, das ich erhalten möchte, lässt sich nur bewahren, indem man es ausweitet. Es handelt sich um das doppelte Erbe von Aufklärung und Demokratie. Die Amerikanische Revolution, der britische Chartismus, die Französische Revolution mit ihren europäischen Ausläufern, der emanzipatorische Nationalismus des 19. Jahrhunderts in Europa und Lateinamerika - sie alle orientierten sich an Kategorien wie der Selbstbestimmung des Menschen, der Volkssouveränität und der Republik der Citoyens. Dem entsprach ein Verständnis der Politik als Prozess fortwährender Erziehung, Führung als pädagogisches Amt. Der Antikolonialismus und Antiimperialismus eroberter Völker im 19. und 20. Jahrhundert übernahm ein Großteil seiner Ideen aus den Metropolen der Eroberer. Diese Ideen prägten den Sozialismus, in seinen christlichen ebenso wie in seinen marxistischen Versionen.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema