1989 ist der Kapitalismus US-amerikanischer Prägung als Sieger aus dem "Systemwettbewerb" hervorgegangen. In Gestalt der neoliberalen Globalisierung hat er der Welt seinen Stempel aufgedrückt. Doch anders als versprochen gehen Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung weder mit "Wohlstand für alle" noch mit der Verbreitung von Demokratie, Menschenrechten und Frieden einher. Ganz im Gegenteil: Die neoliberale Globalisierung befördert soziale Ungleichheit innerhalb und zwischen den Ländern und Regionen; sie ist mit Ketteneffekten finanzieller und wirtschaftlicher Krisen verbunden und hat zur Verschärfung der ökologischen Krise beigetragen. Schlimmer noch, sie wird begleitet von gewalttätigen Konflikten und Kriegen. Das jedoch passt überhaupt nicht zum ambitionierten Modell der Geoökonomie, wonach die Öffnung nationaler Ökonomien zum Weltmarkt ja gerade eine Alternative zur machtzentrierten Durchsetzung von politischen und ökonomischen Interessen (also von: Geopolitik) sein soll. Die Geoökonomie kennt nur Konkurrenten, keine Feinde. Wer Handel treiben will, kann nicht zugleich Krieg gegeneinander führen, so lautet die optimistische These in der Debatte um die mit Globalisierungsprozessen einhergehenden Ent-Territorialisierung von Ökonomien.
Alle paar Jahrzehnte erlebt Europa einen Moment, an dem seine politischen Strukturen nicht mehr in die Zeit passen. Diese Momente haben die EU zu dem gemacht, was sie heute ist.