Ausgabe April 2005

Mathilde Poirot

Der neueste Film von Jean-Pierre Jeunet Mathilde – Eine große Liebe ist auf den ersten Blick ein Liebesfilm. Und doch hat der Regisseur von Amélie (2001) einen sehr großen Teil der Produktionskosten (45 Mio. Euro) in die Inszenierung von Kriegsszenen gesteckt, vielleicht, weil es in filmischen Dramaturgien kaum ein besseres Pendant gibt zu einer Liebe, die als ewig und alles überdauernd erscheinen soll, als den Krieg. Die wegen Kinderlähmung leicht gehbehinderte Mathilde verliebt sich in den jungen Manech, der bald darauf in den (Ersten Welt-) Krieg muss. Er und vier seiner Kameraden versuchen, den Grabenkämpfen an der Somme durch Selbstverletzung zu entgehen. Sie werden zum Tod verurteilt, die Exekution überlässt man dem deutschen Feind: Zwischen die Linien geschickt, kommen sie nach und nach auf grässliche Weise um.

Mathilde mag nicht an den Tod ihres Geliebten glauben, und das Schicksal der fünf wird im Lauf ihrer hartnäckigen Recherchen aufgerollt. Jedes gefundene Detail wird in überaus "naturalistischen" Rückblenden vorgeführt. Der "Krieg" wird dabei immer präsenter, gleichzeitig verlagert sich die dramaturgische Perspektive vom Liebesdrama in Richtung Detektivgeschichte, was auch daran liegt, dass die suggerierte außergewöhnliche Tiefe dieser Liebe selbst durch die Szenen auf dem Leuchtturm (Titanic lässt grüßen) kaum glaubhaft wird.

Sie haben etwa 31% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 69% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Krieg und Frieden

Iran: Das geopolitische Erdbeben

von Franziska Fluhr

Noch im Januar beherrschte der USA-Iran-Konflikt die Überschriften der internationalen Berichterstattung. Nun aber ist der Konflikt durch die Corona-Pandemie nahezu vollständig von der Bildfläche verschwunden. Daraus zu schließen, die Auseinandersetzungen hätten sich beruhigt, wäre nicht nur naiv, sondern auch fatal. Denn das Gegenteil ist der Fall.