Ausgabe Juni 2007

Backlash am Bosporus

Nach fast fünf Jahren relativer Stabilität und jährlichen Wachstumsraten der Wirtschaft von über sechs Prozent ist die Türkei plötzlich wieder in der Krise. Was viele auswärtige Beobachter überraschte, hatte sich allerdings schon über Monate angekündigt. Manifest wurde die Krise mit dem „virtuellen Putsch“ der Militärs, die am 27. April kurz vor Mitternacht eine Erklärung auf ihrer Website veröffentlichten, die in der Türkei einen Schock auslöste. Kaum verklausuliert wurde da mit Putsch gedroht, falls die regierende moderat-islamische „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (AKP) weiterhin versuchen sollte, Außenminister Abdullah Gül zum neuen Präsidenten zu wählen. „Wir sehen einen elementaren Grundsatz des Staates, den Laizismus, gefährdet“, erklärten die Generäle und drohten damit, gegen die angeblichen Versuche einer Re-Islamisierung der Republik eindeutig Position zu beziehen.

Das Scheitern des EU-Beitritts

Auf den ersten Blick scheint die zeitliche Koinzidenz der Krise in der Türkei und der Wahl von Nicolas Sarkozy zum neuen französischen Präsidenten reiner Zufall zu sein. Bis zu einem gewissen Grad ist sie das auch. Die türkischen Generäle haben in der Tat nicht mit einem Putsch gedroht, weil sie annehmen mussten, dass zehn Tage später die Rechte in Frankreich die Wahlen gewinnen würde.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe November 2020

In der November-Ausgabe analysieren die Politikwissenschaftler Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, wie eine Politik der Feindschaft zunehmend die US-amerikanische Demokratie zersetzt. Der Journalist George Packer sieht – mit Blick auf die US-Präsidentschaftswahl am 3. November – eine letzte Chance, Amerika neu zu erschaffen. Der Ökonom James K. Galbraith plädiert in Zeiten der Krise für eine Rückbesinnung auf den Rooseveltschen New Deal. „Blätter“-Redakteur Daniel Leisegang warnt vor einem digitalen Kalten Krieg zwischen den USA und China. Und die Politikwissenschaftlerin Melanie Müller beleuchtet den doppelten Kampf Südafrikas gegen Corona und Korruption.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema