Ausgabe Dezember 2009

Schwarzes Meer - Nachdenken über eine Grenzregion

Angesichts des Machtkampfs, der um eine von Russland unabhängige Gas- und Ölversorgung für Europa tobt, ist das Schwarze Meer zuletzt verstärkt in den Blickpunkt der Weltpolitik gerückt. Kundige wissen, dass in dieser großen Kulturregion seit Jahrtausenden die häufig hart umkämpfte Grenze zwischen Europa und Asien verläuft. Aber erst der Krieg zwischen Georgien und Russland machte einer breiten Öffentlichkeit kurzzeitig Konfliktlinien deutlich, die sich in dieser von politischen Erdbeben gekennzeichneten Region so zahlreich zeigen – schon in der Antike sah man hier die Grenze zwischen „Barbarentum“ und „Zivilisation“.

Viel Gemeinsames und Gegensätzliches wirken hier neben- wie gegeneinander. Sogenannte frozen conflicts in Abchasien, Südossetien, Transnistrien oder Nagorny-Karabach können, wie im August 2008, wieder aufbrechen.1 Weder macht Russlands vorschnelle Anerkennung von Abchasien und Südossetien diese zu Staaten, noch können die Länder der Region rasch in NATO und/oder EU integriert werden. Am Schwarzen Meer entscheidet sich die für die EU – und ihre Identität – relevante Frage: Wo endet Europa?

Der Sammelband „Odessa Transfer: Nachrichten vom Schwarzen Meer“, der zugleich auf Deutsch und Polnisch erscheint, will diese Region den Lesern näher bringen.

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