Am 20. September werden wieder einige Tausend Menschen beim „Marsch für das Leben“ mit weißen Holzkreuzen für ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen durch die Berliner Innenstadt ziehen. Wie bereits im Vorjahr steht auch der mittlerweile zwölfte Marsch unter dem Motto „Ja zum Leben, für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie“. Die Organisatoren – hierzulande der Bundesverband Lebensrecht e. V. mit seinem Vorsitzenden Martin Lohmann – halten jegliche Abtreibung für Mord: Da das Leben mit der Befruchtung beginne, sei jeder Fötus Inhaber allgemeiner Menschenrechte. Selbst vergewaltigten Frauen sprechen die selbst ernannten Lebensschützer das Recht auf Abtreibung ab; im Zweifel zählt ihnen das Leben des Fötus mehr als das der ungewollt schwanger gewordenen Frau. Diese Märsche finden weltweit statt, in Berlin steigen die Teilnehmerzahlen von Jahr zu Jahr. Gingen in den ersten Jahren nur einige hundert auf die Straße, waren es im vergangenen Jahr in Berlin schon mehr als 4000 Demonstranten. Feministische und antifaschistische Initiativen rufen daher erstmals zu einer Gegendemonstration und Blockaden auf statt wie in den Vorjahren zu Gegenkundgebungen und „kreativem Stören“.[1] Zwar wird die hiesige Demonstration der Abtreibungsgegner einige mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen, doch anders als in Spanien ist sie weit davon entfernt, eine Debatte um die Verschärfung des geltenden Abtreibungsrechts zu entfachen.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.