Ausgabe Mai 2015

Atomkonzerne: Strahlung ohne Haftung

Mit dem Versuchsreaktor Kahl in Unterfranken begann 1962 die Ära der kommerziellen Stromerzeugung durch Kernspaltung. 60 Jahre später soll damit Schluss sein: 2022 werden – so alles planmäßig läuft – die drei letzten Atomkraftwerke Lingen, Ohu und Neckarwestheim vom Netz gehen. Doch das dicke Ende kommt erst noch. Denn die Frage, wie und wo der Atommüll sicher endgelagert werden könnte, ist nach wie vor ungeklärt. Jahrelang haben die Stromkonzerne vom Betrieb der Atomkraftwerke profitiert, nicht zuletzt, weil es Milliardenbeträge für deren Förderung gab. Zurück bleiben der Atommüll und die radioaktiv verseuchten Atomreaktoren. Wie mit den strahlenden Hinterlassenschaften umgegangen wird, hängt entscheidend von der Finanzierung ihrer Entsorgung ab. Doch da endet offenbar die gesellschaftliche Verantwortung der Konzerne.

Die Finanzierung einer vergleichenden Endlagersuche, die Kosten für Bau wie Betrieb einer Atommülldeponie und die Rückbaukosten der Atomanlagen müssten – so sieht es eigentlich das Verursacherprinzip vor – von den Betreibern der Atomkraftwerke bezahlt werden. Dies ergibt sich aus dem Atomgesetz sowie dem Umwelt- und Handelsrecht. Eon, RWE, EnBW und Vattenfall sind deshalb dazu verpflichtet, Rückstellungen zu bilden. Diese belaufen sich derzeit auf gut 36 Mrd. Euro.

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