Ausgabe November 2017

Estland zwischen Ost und West

Seit Mitte des Jahres hat Estland die EU-Ratspräsidentschaft inne. Aber nicht nur deshalb lohnt sich der Blick auf diese nordöstliche Peripherie der Union. Im kleinen Estland – nie gab es mehr als rund eine Million Esten – verdichtet und verschränkt sich europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts mit der Zeitgeschichte, inklusive all ihrer Probleme. Denn noch immer ist der Vertrag mit Russland über die Grenze von 1991 nicht ratifiziert, und damit ist diese EU-Außengrenze völkerrechtlich nicht gesichert. Spätestens seit dem Krieg in der Ostukraine und der Annexion der Krim wachsen daher die Ängste auch in Estland.

„Dem Kreml geht es darum, Grauzonen zu schaffen, mit militärischen Mitteln, mit Cyber-Angriffen, mit der Unterstützung extremer Parteien. Es werden Szenarien geschaffen, in denen Grenzen verschoben werden können“, so Eerik-Niiles Kross, Historiker und Anfang der 1990er Jahre erster und jüngster Botschafter in London, danach in Washington, anschließend Politiker und Unternehmer sowie fünf Jahre lang Chef des estnischen Geheimdienstes. Leidenschaftlich erstrebt er eine verstärkte militärische Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union.

Auch aus diplomatischen Kreisen hört man von Düsenjägern, die mit ausgeschaltetem Transponder über das Baltikum in die russische Enklave Kaliningrad und zurück fliegen.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema