Ausgabe Januar 2018

68 reloaded: Die Überflussgesellschaft und ihre Gegner

Als die Studentenbewegung vor 50 Jahren ihren Höhepunkt erreichte, schöpfte sie ihre Motive aus unterschiedlichen Quellen und verknüpfte dabei viele noch heute wichtige Themen der Zeit. Vor allem die Beschäftigung mit den Ursachen des Vietnamkrieges bewirkte, dass junge Menschen sich für die Politische Ökonomie (also das Ökonomische in der Politik) zu interessieren begannen und dass über den Charakter des Kapitalismus, über Klassenverhältnisse, Klassenkampf und Imperialismus diskutiert wurde. Der Vietcong galt als eine der Befreiungsbewegungen, welche „die Vernunft, die Institutionen und die Moralität dieser überentwickelten Industriegesellschaft in Frage stellen und bedrohen“, schrieb Herbert Marcuse seinerzeit: Denn ein Sieg der nationalen Befreiungsbewegung in Vietnam gegen die USA „würde bedeuten […], dass eine elementare Rebellion von Menschen gegen den mächtigsten technischen Repressionsapparat aller Zeiten erfolgreich sein kann“.[1]

Wie Marcuse, so verstanden auch die politisierten Studenten den Vietnamkrieg als „Manifestation eines Weltsystems“, einer „Gesellschaft im Überfluss“,[2] die erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder der Doktrin zu folgen schien, dass „Kriege Wirtschaftskrisen kurieren und, insofern sie außerhalb des eigenen Territoriums geführt werden, das kleinere Übel sind“.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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