Ausgabe Juli 2018

Der Westen als Feindbild: Wie Russland Politik betreibt

Nach dem Bruch Donald Trumps mit völkerrechtlichen Kodifikationen und angesichts seines aggressiven Freund-Feind-Denkens ergehen dieser Tage zu Recht Warnungen vor einer zunehmenden Militarisierung und Polarisierung der globalen „Ordnung“.[1]Wer die neuen Verfeindungen seitens der USA aufzeigt und aus diesem Grunde für eine neue Entspannungspolitik der Europäischen Union speziell gegenüber Russland plädiert, sollte sich allerdings auch bewusst machen, dass hier schon seit langem mit dem Feindbild „des Westens“ die Militarisierung des Landes und seiner Bevölkerung betrieben wird.

Besonders deutlich wird dies alljährlich am 9. Mai, dem Tag des sowjetischen Sieges über Hitlerdeutschland. In diesem Jahr wurde diese Feier besonders laut und demonstrativ begangen. Statt der üblichen 10 000 Mann marschierten 13 000 Soldaten aller Teilstreitkräfte über den Platz zwischen Kreml, Lenin-Mausoleum, Basilius-Kathedrale und dem Hochglanz-Einkaufstempel GUM. Sie führten teilweise die neuesten Waffen mit sich, die die russische Armee gegenwärtig zu bieten hat, aber auch Traditionelles zu Lande und in der Luft. Begeistert würdigten die russischen Kommentatoren etwa das auf der Parade zur Schau gestellte hochmoderne Panzerfahrzeug „Terminator“. Dieser habe die Testphase in Syrien bestanden und werde nun von den russischen Streitkräften geordert.

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