Ausgabe November 2018

»Es ist Zeit für Mut«

Was uns Literatur heute lehren kann

Ich wurde römisch-katholisch erzogen. Als Kind liebte ich es, in die Kirche zu gehen. Meine Familie besuchte jeden Sonntag die St. Peter‘s Chapel, ein großes weißes Gebäude auf dem Campus der University of Nigeria, auf dem ich aufwuchs. Der Pfarrer der Gemeinde war Dozent an der Universität. Und soweit es für eine römisch-katholische Kirche möglich war, war sie ein aufgeschlossener, progressiver, einladender Ort. Die sonntäglichen Predigten waren wohltuend langweilig.

Jahre später erfuhr ich, dass die Kirche in andere Hände übergegangen und der neue Pfarrer ein Mann war, der insbesondere auf weibliche Körper fixiert war. Er bestallte eine Religionspolizei, eine Truppe junger Männer, deren Aufgabe es war, an der Kirchentür Stellung zu beziehen, jede Frau zu begutachten und zu entscheiden, wer hinein durfte und wer nicht. Großmütter wurden abgewiesen, weil ihre Kleider angeblich zu tief ausgeschnitten waren.

Nach Jahren der Abwesenheit flog ich nach Hause, um meine Eltern zu besuchen. Und ich ging in die Kirche. Ich trug einen langen Rock und eine kurzärmelige Bluse mit traditionellem Muster – eine gewöhnliche, weit verbreitete Kombination. Am Eingang der Kirche verstellte mir ein junger Mann den Weg. Seine Miene war eine aufgesetzte Maske der Rechtschaffenheit, die ich unter anderen Umständen sehr lustig gefunden hätte. Er bat mich umzukehren. Meine Ärmel seien zu kurz, sagte er. Zu viel Arm sei zu sehen.

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