Ausgabe März 2019

Schweden: Rechter Aufstieg, bloß vertagt

Schweden gilt als ein Land mit starker Konsenskultur. Doch auch dort sind rechte Kräfte auf dem Vormarsch, die auf eine Spaltung der Gesellschaft abzielen. Längst drängt es die Rechtspopulisten an die Macht. Die Schwedendemokraten (SD) hatten bei der Parlamentswahl am 9. September 2018 gut 17 Prozent der Stimmen geholt und damit das Parteiensystem gehörig ins Wanken gebracht. Eine Regierungsbildung ohne die Rechtspopulisten schien kaum noch möglich – und konnte erst durch den Bruch mit einer langjährigen politischen Tradition verhindert werden. Bislang garantierte eine eingespielte Bündnispolitik die Stabilität des Vielparteiensystems: Im Stockholmer Reichstag standen sich dabei stets zwei Blöcke gegenüber, die zuweilen mehr informelle Bündnisse als formale Koalition waren: einerseits ein rot-rot-grünes Mitte-links-Bündnis und andererseits die sogenannte Allianz für Schweden, die seit 2004 aus der Moderaten Sammlungspartei, den Liberalen, der Zentrumspartei und den Christdemokraten besteht. In einem stark fragmentierten Parlament sorgten diese Bündnisse für Stabilität, und das trotz häufiger Minderheitsregierungen.

Damit aber war es nach dem Erstarken der Rechtspopulisten vorbei.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.