Ausgabe Mai 2022

Chemiewaffen: Herausforderung für die internationale Ordnung

Demonstration gegen die syrischen Chemiewaffen-Angriffe in Hamburg, 23.8.2013 (IMAGO / imagebroker)

Bild: Demonstration gegen die syrischen Chemiewaffen-Angriffe in Hamburg, 23.8.2013 (IMAGO / imagebroker)

Nach Russlands Überfall auf die Ukraine stellt sich eine wichtige politische und völkerrechtliche Frage noch dringlicher als zuvor, nämlich wie die internationale Gemeinschaft mit Staaten umgehen soll, die internationale Verträge verletzen und gezielt Sand in das Getriebe multilateraler Institutionen streuen.[1]

Dies gilt insbesondere im Bereich chemischer Waffen: Die haltlosen russischen Anschuldigungen, die Ukraine verfüge über biologische Waffen und wolle toxische Stoffe zur Kriegführung einsetzen, verstärken die Vermutung, Russland bereite selbst Angriffe mit solchen Massenvernichtungswaffen vor.[2] Eine solche Entwicklung wäre nicht überraschend, weil Moskaus Regelverstöße seit Jahren globale Bemühungen für die Umsetzung eines Verbots chemischer Waffen herausfordern. Russland wird seiner Verantwortung für eine chemiewaffenfreie Welt schon länger nicht mehr gerecht und blockiert zudem Versuche, die Verantwortlichen für Chemiewaffeneinsätze zur Rechenschaft zu ziehen.

Als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats trägt Russland eine besondere Verantwortung für Nichtverbreitung und Abrüstung von Massenvernichtungswaffen: Moskau kann sowohl dazu beitragen, dass in internationalen Verträgen festgeschriebene Regeln durchgesetzt werden, als auch durch sein Veto genau dies verhindern – selbst dann, wenn es dabei um eigene Verstöße gegen das Chemiewaffenübereinkommen (CWÜ) geht.

Mai 2022

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Krieg im Kongo: Trump und der gordische Knoten

von Simone Schlindwein

Heute gelingt uns das, woran so viele andere gescheitert sind«, prahlte Donald Trump im Dezember 2025, als Kongos Präsident Felix Tshisekedi und dessen ruandischer Amtskollege Paul Kagame zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages im Weißen Haus eintrafen.