Ausgabe Dezember 2024

Ein Werk unseres neuen extremen Zeitalters

Mircea Cartarescu: Theodoros, Cover: Hanser Literaturverlage

Bild: Mircea Cartarescu: Theodoros, Cover: Hanser Literaturverlage

Vordergründig erzählt Mircea Cărtărescu in seinem neuen Roman die Geschichte von Theodor II., Kaiser von Äthiopien, der von 1818 bis 1868 lebte. Zugleich ist „Theodoros“ jedoch – wie für diesen Erzähler üblich –, eine Ansammlung von Mythen und Fantasien. Wie in Shakespeares „Macbeth“ oder Marlowes „Tamburlaine“ entspricht Cărtărescus Titelfigur daher kaum der historischen Gestalt, und wie bei den Klassikern enthüllt das Handeln des Protagonisten das politisch Unbewusste: Es herrscht eine imperiale Welt, aber infrage gestellt wird sie nicht durch die um Befreiung kämpfende Menschheit, sondern von anderen autoritären Kräften. 

Der Theodoros des Romans kommt wie sein Autor aus der Walachei und erzählt wird die Geschichte seines Aufstiegs und Falls von sieben Erzengeln in lang schwingenden Sätzen: „Wir wussten immer, was geschehen würde, ebenso wie wir wissen, was gewesen ist, denn vor unseren grauen, fernen und hellen Augen ist die Welt bloß ein für alle Ewigkeit erstarrter Eisblock, nur ein Buch, das wir in den Anfängen zu Ende geschrieben haben, während der Mensch es Seite für Seite liest und nicht weiß, was auf der nächsten Seite folgen wird.

»Blätter«-Ausgabe 12/2024

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In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

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