Ausgabe Oktober 1991

Eine neue Hanse?

Das Baltikum, Europa und die Sowjetunion

Die EFTA-Länder, dann Ungarn, Polen und die Tschechoslowakei, schließlich die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen - so umriß Außenminister Hans-Dietrich Genscher am 4. September dieses Jahres vor dem Deutschen Bundestag die Etappenziele auf der Assozziiüerungs-Agenda für die Europäische Gemeinschaft. Von der UdSSR oder deren verbliebenen Teilrepubliken war in diesem Zusammenhang keine Rede. Wer mag, der kann daran reichlich Stoff für geschichtliche Ironien finden.

Es war ja einst Sowjetpräsident Michail Gorbatschow, der die Architektur eines gemeinsamen europäischen Hauses vorgestellt, sich aber in der Frage der Souveränität für das Baltikum äußerst zögerlich gezeigt hatte: allenfalls als unfreiwillige sowjetische Untermieter, so stand zunächst zu erwarten, würden die drei Ostseerepubliken nach Europa zurückkehren. Das Scheitern des August-Putsches in der UdSSR bewirkte hier die Wende, indem es die Absicht der Frondeure in ihr glattes Gegenteil verkehrte: nicht die Bewahrung, sondern der Zerfall der Sowjetunion war das Ergebnis des Staatsstreichs. Für Estland, Lettland und Litauen brachte dieser letzten Endes die stets angemahnte und völkerrechtlich gebotene diplomatische Anerkennung ihrer Unabhängigkeit durch bislang über 40 westliche Staaten. Und unter dem Vorsitz Gorbatschows hat am 6.

Oktober 1991

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