Ausgabe April 1993

Einbürgerung als Marsch durch die Institutionen

Mit seinem Kommentar "Selbst-Einbürgerung jetzt" ("Blätter", 1/1993) zur wenig erfreulichen Lage der Immigranten in der Bundesrepublik Deutschland hat Mohssen Massarrat ein wichtiges Thema angesprochen: Wichtig für die "Ausländer", weil nicht nur ihre "Würde", sondern immer öfter auch ihre Haut auf dem Spiel steht; wichtig für die Bundesrepublik, weil deren Reputation als liberaler Staat gefährdet ist. Im folgenden möchte ich einige weitere Aspekte der Problematik beleuchten. Seitdem die Unionspolitiker 1982 den Tenorpart der "Ausländerpolitik" übernommen haben, hat sich die von diesem Tenor bestimmte Lage der "Nichtdazugehörigen" in merkwürdiger Weise verändert.

Dominierte Anfang der 80er Jahre noch die pragmatische Vorstellung vom "Gastarbeiter", von einem auf vertraglicher Basis, d.h. zum beiderseitigen Interesse, in der Bundesrepublik arbeitenden Angehörigen eines anderen Staates, sorgte die Union zunächst dafür, daß aus Gastarbeitern "Ausländer" wurden, aus "Nützlingen" "Schädlinge", mithin ein neues politisches Problem, das man u.a. durch Rückkehrprämien zwecks Halbierung ihrer Zahl zu lösen gedachte.

April 1993

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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