Ausgabe April 1996

Frieden und Terror II: Ulster

Am späten Nachmittag des 9. Februar wurde Dubliner Fernsehjournalisten telefonisch übermittelt, daß die Irish Republican Army (IRA) den seit 17 Monaten anhaltenden Waffenstillstand nicht länger aufrechterhalten werde. Den Worten folgte am selben Abend die Tat: Schätzungsweise eine halbe Tonne Sprengstoff führte im Osten Londons zu zwei Toten, etwa 100 Verletzten und Sachschäden von 100 Mio. Pfund. In Belfast zeigte sich Sinn Féin, der politische Flügel der IRA, völlig überrascht. Sinn Féin-Präsident Gerry Adams sah sich noch Stunden später nicht in der Lage, die Rückkehr der IRA zur Gewalt zu bestätigen oder zu dementieren. Das wirft ein Schlaglicht auf das besondere Verhältnis der Untergrundarmee zu ihren politischen Vertretern und somit auf die Schwierigkeiten des nordirischen Friedensprozesses, der zum Scheitern verurteilt ist, wenn es nicht gelingt, die IRA über Sinn Féin in Verhandlungen zu integrieren.

Obwohl Adams von dem folgenschweren Schritt der IRA, der seine Bemühungen um die Akzeptanz von Sinn Féin als Verhandlungspartner zunichte machen könnte, überrumpelt wurde, hatte er sofort den eigentlich Verantwortlichen identifiziert: Die Londoner Regierung, die durch ihre hinhaltende Taktik eine historische Chance habe verstreichen lassen. Die Erwartungen, die mit dem Waffenstillstand der IRA vom 31.

April 1996

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