Das finstere Gesicht mit der Sonnenbrille, das aus dem Uniformrock ragt, der sog. 68er-Generation wohl bekannt, ist seit Mitte Oktober wieder öfter auf den Bildschirmen zu sehen und prangt erneut auf Titelseiten. Porträt eines Monsters, das 1973 die Weltbühne betrat. Nicht nur in den Schwarzbüchern von damals ist nachzulesen, was geschah, nachdem die Bomben auf den Monedapalast fielen, die die Regierung Allende auslöschten und mit ihr die Hoffnungen auf ein erstmals in regulären Wahlen installiertes sozialistisches Modell: Chile. Hunderte von Seiten detaillierter UNO-Berichte schildern das Leiden unzähliger Getöteter, Gefolterter, auf Nimmerwiedersehen Verschwundener. General Augusto Pinochet wird in London am 17. Oktober 1998 aufgrund eines in Spanien erlassenen internationalen Haftbefehls festgenommen. Immunität eines ehemaligen Staatsoberhauptes brauche ihm nicht eingeräumt zu werden, stellt am 25. November die höchste richterliche Instanz, eine Kammer des Oberhauses (3:2) gegen eine Entscheidung der ersten Instanz fest. Der Innenminister will dem Auslieferungsantrag Spaniens entsprechen. Es gibt doch noch, wenn auch späte Gerechtigkeit, und offensichtlich auch noch Betroffene in aller Welt, die jubeln - und Anhänger Pinochets, die vor Empörung aufschreien. Die Medien überschlagen sich.
Der Rücktritt des Hohen Repräsentanten in Bosnien und Herzegowina, Christian Schmidt, soll auf Druck der USA erfolgt sein. Doch sein Rückzug markiert weniger eine neue geopolitische Konstellation als den Verlust der Glaubwürdigkeit der EU.