Zu Italiens "sanfter Revolution" (vgl. meinen Beitrag im Maiheft der "Blätter") hat die Arbeit der Justiz gewiß entscheidend beigetragen. Mit ihrer im Volksmund so genannten Operation "Saubere Hände" legte sie offen, wie vor allem die "Blockparteien" (der seit fast einem halben Jahrhundert herrschende Regierungsblock um die Christdemokraten) zu kriminellen Vereinigungen verkommen waren, wie sie die Politik zum Geschäft gemacht hatten und sich mit Staats- und Steuergeldern ein schönes Leben machten. Seinen Anteil an dem italienischen Umsturz hat zweifellos auch, daß mit dem Wegfall des äußeren Feindes im Osten der Blick geschärft wurde für die Verhältnisse im Innern und die Probleme des Landes aus einer anderen Optik heraus analysiert wurden. Ebensowenig darf der Beitrag außer Acht gelassen werden, den gesellschaftspolitisch progressive (transversale) Kräfte schon vor '89 und verstärkt danach geleistet haben, indem sie dieses im "Kalten Krieg" gewachsene und konsolidierte Herrschaftssystem bloßstellten und sowohl an der "Korruptionsfront" im Norden wie an der "Mafiafront" im Süden des Landes angriffen.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.