Ausgabe Juni 1997

Euro-Poker

Zur politischen Ökonomie der Auswahl der EWU-Teilnnehmer

Im Frühjahr 1998 steht Europa vor einer Entscheidung von historischer Tragweite.

Sobald die Wirtschaftsdaten für 1997 vorliegen, treffen sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, um darüber abzustimmen, welche Länder zu den Gründern der Währungsunion zählen dürfen und welchen dieses Privileg vorenthalten bleibt. Möglich auch, daß sich der EU-Gipfel Mitte Juni doch noch dazu entschließt, das Projekt Euro zu verschieben. 1) In der öffentlichen Diskussion wird häufig unterstellt, dieser Auswahlprozeß werde allein auf der Basis ökonomischer Kriterien ablaufen.

Schließlich lägen der Entscheidung klar festgelegte Referenzwerte 2) zugrunde, die einzig der ökonomischen Ratio folgen. Diese Ansicht hat vor allem in der Bundesrepublik viele Anhänger, weil sie impliziert, daß nur eine kleine Gruppe von Ländern an den Start geht: nämlich ein "Kern" aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Österreich, dazu möglicherweise Irland, Dänemark, Finnland - Länder, die eine mindestens zehnjährige Tradition der Währungsstabilität aufzuweisen haben und deren Volkswirtschaften hochgradig integriert sind.

Juni 1997

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Marine Le Pen: Die gefesselte Kandidatin?

von Steffen Vogel

Viele Beobachter hatten Marine Le Pen schon abgeschrieben, manche Umfrageinstitute erhoben nicht einmal mehr Zustimmungswerte für sie. Nachdem sie wegen der systematischen Unterschlagung von EU-Geldern mit einer fünfjährigen Unwählbarkeit belegt worden war, schien die politische Karriere der Rechtsextremen beendet.

Polen: Rechtes Comeback auf Kosten der Ukraine?

von Ignaz Szlacheta

Präsident Karol Nawrockis konfrontativer Amtsstil sorgt in Polen regelmäßig für Schlagzeilen. In weniger als einem Jahr blockierte der Präsident mittels Veto 37 Gesetzesvorhaben der Regierung unter Premierminister Donald Tusk – ein neuer Rekord.